Didaktisches Konzept

Die interaktiven Lerneinheiten zur Hochschulmathematik, die wir entwickeln, beruhen im Wesentlichen auf zwei didaktischen Prinzipien.

Genetisches Prinzip

Das erste didaktische Prinzip, das unserer Arbeit zu Grunde liegt, ist das genetische Prinzip: Lernen wird leichter, wenn der Lernende das Wissen nicht als fertiges Kunstwerk zu bestaunen kriegt, sondern nachvollziehen kann, wie dieses Wissen in den Köpfen anderer Menschen entstanden ist.

Wie wir dieses Prinzip umsetzen: In unseren Inhalten, ungeachtet des konkreten Mediums, präsentieren wir nicht einfach mathematische Perfektion, sondern orientieren uns stets an der Frage: „Wie kommt man drauf?“ Es geht um den Weg zur Wahrheit, nicht bloß um die Wahrheit. Ein mathematischer Beweis ist zwar immer eine strenge Deduktion, ausgehend von bestehender Wahrheit, Schritt für Schritt logisch zwingend hinführend zu neuer Wahrheit, und so liest sich mathematischer Text auch meistens. Der wirkliche Denkprozess aber, der den Beweis hervorbringt, ist oft nicht-linear: Die Intuition springt, man arbeitet mal vom Start, mal vom Ziel her, versucht dies, verwirft jenes und hat irgendwann alle Teile der Deduktion beisammen. In Videos können wir diesen sehr bewegten Prozess vorleben.

Selbsttätigkeit

Das zweite didaktische Prinzip ist Selbsttätigkeit: Lernen ist eine Aktivität im Kopf des Lernenden. Lehre besteht darin, solche Aktivität anzuregen und anzuleiten, also dafür zu sorgen, dass der Lernende sich geistig anstrengt und dass seine Anstrengungen zielführend sind für das Wissen, das er zu erwerben versucht.1

Wie wir dieses Prinzip umsetzen: Lernvideos bieten dem Lernenden die Möglichkeit, ein Thema in selbstgewähltem Tempo zu bearbeiten. Interaktive Lernvideos regen den Lernenden zusätzlich an, Denkpausen einzulegen, Begriffe zu wiederholen, einen Transfer zu leisten oder auch ein ganzes Argument selbst zu führen.


1 Aus Sicht des Lehrenden wird dieses Prinzip als kognitive Aktivierung der Lernenden bezeichnet.